Tourenbuch

Lückenschluss

Bergtour
Karwendel
2130 Hm
Hintere Bachofenspitze
2668 m
Roßkopf
2646 m
Große Stempeljochspitze
2543 m
Kleine Stempeljochspitze
2529 m

Die heute begangene Tour wartet schon seit mehreren Jahren in meiner To-do-Liste. Auf drei der vier heute besuchten Gipfel bin ich schon gewesen. Doch die Entdeckung, dass auch der dazwischen liegende Roßkopf ohne allzu große Schwierigkeiten erreichbar sein soll, hat Begehrlichkeiten geweckt. Ich habe mich trotzdem länger nicht daran getraut, weil ich unsicher war, was mich dort wirklich erwartet. Heute aber fühle ich mich bereit.

Ich starte die Radelei am Parkplatz vor der Grenze. Der Weg in die Pfeis ist nicht kürzer geworden. Ich versuche heute, am Mountainbike-Parkplatz vorbei bis zur Hütte zu radeln, gebe das aber schnell wieder auf. Der Weg auf diesem letzten Teilstück ist einfach zu steil und schottrig. Umso absurder wirkt die Leichtigkeit, mit der sich dickbäuchige E-Mobilisten dort hinauffahren lassen. Ein kurzes Stück schiebe ich noch, doch auch das ist mir zu anstrengend und so lasse ich das Fahrrad zurück.

Der Aufstieg bis zur Hinteren Bachofenspitze gehört heute auch noch zum Vorprogramm. Dann beginnt der neue und interessante Teil der Tour. Vom Gipfel lacht zunächst auch die Vordere Bachofenspitze herüber und der Übergang sieht gar nicht mal so schlimm aus, aber ich lasse das und ziehe los in Richtung Roßkopf.

Zuerst über ein Band, das harmlos zu erreichen und zu begehen ist. Nach einem ersten Steinmann um eine Ecke und noch ein paar weitere Querungsmeter zu einem zweiten Steinmann. Von dort direkt steil hinauf. Einzelne Steinmänner und schöne Kraxelei in ziemlich gutem Fels. Man könnte die Kraxelstellen immer auch auf schottrigen Bändern umgehen, aber sie taugen total. Schon kurz vor dem nächsten Vorgipfel an offensichtlicher Stelle nach rechts, wo auch ein Steinmann wartet. So gelange ich problemlos in einen Sattel, wo ich bereits den Gipfel vor mir glaube. Der weitere Weg am Rand der Flanke ist reines Fleißgelände in relativ gutgängigem Schotter mit deutlichen Wegspuren und vereinzelten Steinmännern. Das ist nun wirklich viel einfacher, als ich es erwartet habe, und ich bin fast ein wenig enttäuscht, bis ich erkenne, dass ich jetzt erst den Vorgipfel erreiche.

Es folgt ein unangenehmer Bröselabstieg. Man soll den Tag halt nicht vor dem Abend loben. Doch auch das ist irgendwann einmal vorbei, obwohl es bei mir heute langsam geht, weil ich mir der potenziellen Fatalität meines Tuns recht bewusst bin und dadurch teilweise etwas unbeweglich. Allzu schlimm ist es aber nicht und auch nur wenige Abschnitte wirklich exponiert. Anschließend geht es querend ansteigend zum Gipfel des Roßkopf. Ziemlich genau eine Stunde habe ich von der Bachofenspitze bis hier gebraucht.

Am Gipfel bemerke ich, dass es rundherum ganz schön arg quellt und das Wetter insgesamt gar nicht so toll aussieht. Ein eingehendes Studium des Gipfelbuchs von 2003 muss trotzdem sein. Es enthält Einträge der üblichen Verdächtigen, Traudl Maurer natürlich, Hans Holzknecht, Roli Striemitzer und andere Thaurer. Deren Besuche sind meist Teil ausgedehnterer Gratbegehungen. Touren, für die mir die nötige Unerschrockenheit und Todesverachtung fehlt. Nach einer Viertelstunde gehe ich um 14:28 Uhr weiter.

Zuerst in Richtung Stempeljochspitzen bis zur Kante, dann kurz rechts rum ein bisschen runter. Dann wird das Gelände recht offensichtlich, leicht und flach. Ein Stück nach links zum weiteren Grat, der jetzt bis zu den Stempeljochspitzen sichtbar ist. Jetzt weht ein ziemlich kalter, starker Wind. Nach etwas leichtem Gehgelände kommt ein schmalerer Gratabschnitt mit gutem Fels. Zuerst bleibe ich oben, aber an einer Einschartung wird es mir dann doch zu schwer und ich umgehe die Stelle. Ähnlich geht es mir auch an nachfolgenden Türmen, deren meist guter Fels zum Erklettern einlädt, was einmal ein längeres Abklettermanöver nach sich zieht und schließlich einen effektiven Geländegewinn von etwa einem Meter ergibt. Aus einer Scharte mit zwei Türmen ersteige ich ein vielleicht 10 Meter hohes Wandl mit sehr schöner Kletterei in perfektem Fels. Nach einer kurzen, plattigen Querung bin ich zurück am Grat, wo ich sehe, dass man das Ganze wohl auch auf der in Gehrichtung rechten Seite hätte umgehen können. So geht es kleinteilig weiter in die nächste Scharte hinein und wieder hinaus. Der Fels ist nun wirklich ziemlich gut.

Es folgt eine Art Vorgipfel. Auch dieser Aufschwung bietet sehr schöne, leichte Kraxelei an Fels, der einen vergessen lässt, dass man sich im Karwendel befindet. Dem Vorgipfel schließt sich ein kleiner Grat an, der sich abwärts neigt. Die Stempeljochspitzen scheinen nun schon ziemlich nah. Den nächsten Gratabschnitt bis in die Einsattelung vor der großen Stempeljochspitze begehe ich ganz oben. Am Anfang ist es noch ein bisschen schmal, dann überhaupt nicht mehr. Die Hände braucht man nun gar nicht mehr.

In der Einsattelung geht mir das Wasser aus. Ich wollte die Blase vorher eigentlich noch mal auffüllen, habe aber an der vermuteten Stelle zwischen Raddepot und Abzweig ins Kar kein Wasser vorgefunden.

Um 15:16 Uhr bin ich an der Großen Stempeljochspitze ohne Kreuz. Ich gehe gleich weiter, weil ich später noch zum Baden will. Um 15:25 Uhr erreiche ich die Kleine Stempeljochspitze, habe also vom Rostkopf eine knappe Stunde gebraucht. Hier gibt es ein neues Kreuz, Reste des alten stehen auch noch da.

Alle besuchten Gipfel erfüllen nicht das strenge Schönheitskriterium, dass keine menschliche Siedlung sichtbar sein soll. Besonders von der Kleinen Stempeljochspitze schaut man genau auf Innsbruck in all seiner Städtischkeit hinab.

Beim Abstieg Richtung Stempeljoch begegne ich in der grünen Flanke wieder einem Steinbock. Diesmal ist er allein, hält Abstand und benimmt sich nicht so aggressiv wie die Herde beim letzten Mal. Vom Stempeljoch kann man ein gutes Stück über eine Schuttreise abkürzen, was ganz gut geht.

Parkplatz an der B2 - 940 m - 08:51 Uhr
Ende der Radelei - 1700 m - 10:53 Uhr
Hintere Bachofenspitze - 2668 m - 12:48 Uhr
Roßkopf - 2646 m - 14:16 Uhr
Große Stempeljochspitze - 2543 m - 15:17 Uhr
Kleine Stempeljochspitze - 2529 m - 15:25 Uhr
Am Fahrrad - 1700 m - 16:21 Uhr
Parkplatz an der B2 - 940 m - 17:36 Uhr

Insgesamt etwa 50 Kilometer und 2130 Höhenmeter.