Einsames Karwendel

Bergtour
Karwendel
1600 Hm
Unbenannter Gipfel
2526 m

Am 24. August versuchen Karin, Henning und ich uns ein erstes Mal an diesem Berg. Die Radstrecke ist leicht und schnell zurückgelegt, der Startpunkt unschwierig identifizierbar und auch die Wegspur leicht zu finden. Im oberen Teil des Unteren Moserkars beobachten wir eine gewaltige Gamsherde.

Während des Aufstiegs ziehen allerdings zunehmend Wolken auf. Nach Westen, von wo am späteren Nachmittag schlechteres Wetter kommen soll, ist die Sicht stark eingeschränkt. Am Übergang zwischen dem Unteren Moserkar und dem Rauhkarl auf etwa 2000 m Höhe geben die Beiden ihre Besorgnis zu erkennen. Da die Tour bisher sehr schön war, beschließen wir, kein Risiko einzugehen. Lieber behalten wir einen schönen aber leider unvollendeten Ausflug in Erinnerung, als ein traumatisches Unwettererlebnis. Das Gewitter erreicht uns später, als wir in Garmisch im Stau stehen. Bis zum Gipfel und dann zurück zum Parkplatz wäre es wohl wirklich knapp geworden.

Parkplatz Scharnitz - 964 m - 09:03 Uhr
Fahrraddepot - 1280 m - 10:29 Uhr
Umkehrpunkt - ca. 2000 m - 12:04 Uhr
Abmarsch - 12:36 Uhr
Fahrraddepot - 1280 m - 14:05 Uhr
Parkplatz Scharnitz - 964 m - 14:59 Uhr

Am 6. September unternehme ich daher einen zweiten Anlauf. Die Gegend ist ebenso einsam wie beim letzten Mal. Im Moserkar scheuche ich wieder dieselbe Gamsherde auf.

Ab dem letztmaligen Umkehrpunkt ist der weitere Wegverlauf im Großen zwar immer klar, im Kleinen allerdings teilweise nicht erkennbar. Eine Felsstufe überwinde ich in leichter Kraxelei durch eine Rinne. Die darüber folgende karstige Ebene quere ich schräg zum offensichtlich am leichtesten einnehmbaren Punkt des Südgrats des Unbenannten Gipfels. Auch hier sind überall Gämsen.

Am Südgrat erschrecke ich über den Anblick der Moserkarspitze. Ich habe eigentlich vor, diesen Gipfel im Anschluss gleich noch mitzunehmen, was den Beschreibungen nach unproblematisch ist. Von hier erscheint die Westflanke allerdings als fast senkrecht und unbezwingbar.

Der Südgrat führt ohne größere Schwierigkeiten (Stellen I) zum Gipfel. Dort gibt es gleich zwei Gipfelkreuze und eine spektakuläre Aussicht. In meinem Vorhaben, die Moserkarspitze anzuhängen, entmutigt, vertändele ich erhebliche Zeit.

Zurück am flachen Sattelpunkt des Südgrats beschließe ich spontan, nach links über das Obere Moserkar abzusteigen. Das Gelände lässt mich darauf hoffen, dort einige Meter im Schutt abfahren zu können.

Aus dem Moserkar ist nun auch erkennbar, dass die Westseite der Moserkarspitze keineswegs so steil ist wie befürchtet. Ich bin drauf und dran, sie doch noch mitzunehmen. Allerdings ist es bereits recht spät und im Süden sind wieder sehr dunkle Wolken aufgezogen. So verzichte ich letztlich.

Der Rückweg ist leicht zu finden. Direkt unterhalb der Stelle, an der der Südgrat des Unbenannten Gipfels ausläuft, quere ich auf Wegspuren zwischen Latschen und Felsen zurück in Richtung Rauhkarl. Nach etlichen weiteren Kehren führen mich diese Spuren unterhalb des letztmaligen Umkehrpunkts zurück zum Aufstiegsweg.

Während des weiteren Abstiegs donnert es einige Male und schließlich spüre ich auch einige Tropfen. Auf dem Fahrrad gerate ich schließlich in einen kurzen starken Schauer, wodurch ich mich auf der sandigen Forststraße komplett einsaue.

Parkplatz Scharnitz - 964 m - 09:05 Uhr
Fahrraddepot - 1280 m - 10:02 Uhr
Abmarsch - 10:15 Uhr
Letztmaliger Umkehrpunkt - ca. 2000 m - 11:52 Uhr
Unbenannter Gipfel - 2526 m - 13:05 Uhr
Abmarsch - 13:43 Uhr
Fahrraddepot - 1280 m - 15:40 Uhr
Parkplatz Scharnitz - 964 m - 16:15 Uhr

Etwa 350 Höhenmeter mit dem Rad und 1250 Höhenmeter zu Fuß. Insgesamt also etwa 1600 Höhenmeter.