Seenland

Bergtour
Ötztaler Alpen
1900 Hm
Tschigat
2998 m

Nach unserem Wellnessurlaub sind Nina und ich nach Meran übersiedelt, wo ich noch nie war. Die gepflegte Spießigkeit dieser Stadt begeistert uns allerdings nicht besonders. Die umliegenden Berge dagegen sehen einladend aus. Mit Hilfe verschiedener Onlinekarten wähle ich etwas mühsam den Tschigat als Ziel für den folgenden Tag aus.

Nachdem ich im Hotel als erster beim Frühstück gesessen bin, fahre ich mit dem Auto hinauf zum Gasthof Oberplatzer auf etwa 1300 m. Den Wanderparkplatz sehe ich nicht (man muss noch ein Stück der nicht asphaltierten Straße folgen) und parke in der letzten Kurve unterhalb des kleinen Lifts. Um kurz nach halb neun starte ich über die Forststraße in Richtung Hochganghaus, das ich nach einer knappen Stunde erreiche. Auf der Terrasse führen die Teilnehmer eines Alpinkletterkurses Trockenübungen durch. Weiter geht es in offenem Gelände über aufwändig angelegte Treppenstufen sehr steil hinauf zur Hochgangscharte. Dort komme ich nach einer weiteren knappen Stunde an.

An der Scharte trete ich ein in eine schöne, herbstlich karge Hochgebirgslandschaft. Über dem Tal hinter mir hängt leichter Dunst. Direkt voraus liegt der große Langsee. Links zeigt sich bereits der Doppelgipfel des Tschigat, der sehr nah erscheint.

Tatsächlich zieht sich der Aufsteig noch etwas. Oberhalb des linken Ufers führt der Weg zunächst ein Stück ins Tal hinein und dann links hinauf zu den den Langsee speisenden Milchseen. Hier teilt sich der Weg. Links geht es zum sogenannten Kamin, nach rechts zur Milchseescharte. Ich wähle den linken Weg, verliere ihn im groben Blockgelände immer wieder und gelange zur Rinne zwischen den beiden Gipfeln. Links könnte man wohl über Blöcke direkt zum Gipfel gelangen, aber ich halte mich an den markierten Weg. In einfacher Kletterei erreiche ich den Sattel zwischen Vor- und Hauptgipfel. Erst auf den letzten Metern zeigt sich etwas Schnee und Eis.

Der Weg führt nun auf die Nordseite, wo mehr Schnee liegt. Ohne Steigeisen und Pickel stoße ich hier im normalerweise sicher problemlosen Gelände auf die heikelste Stelle des Tages, eine kurze Traverse über ein steinhart gefrorenes Schneefeld über Absturzgelände. Dann geht es ohne weitere Schwierigkeiten in leichter Kraxelei über Blöcke zum Gipfel.

Die Aussicht ist gut. Das nördlich gelegene Lazinsertal müsste ein perfektes Skitourengebiet sein. Eine spätere Recherche zeigt, dass das Passeiertal eine gute Tourenbasis sein dürfte.

Mein Plan war, nun westlich zum Halsljoch abzusteigen, die gegenüberliegende, etwas höhere Lazinser Rötlspitze (3037 m) noch kurz mitzunehmen und die Runde dann über die Milchseescharte zu den Milchseen zu schließen. Allerdings liegt auch im oberen Teil dieses Abstiegs viel eisiger Schnee, was mich abschreckt. Da steige ich lieber über den schon bekannten Aufstiegsweg wieder ab. Erleichtert wird diese Entscheidung dadurch, dass mit dem Lodner und der Hohen Weisse auch hinter der Rötlspitze noch höhere Gipfel aufragen.

Die eisige Querung ist auch auf dem Rückweg unangenehm. Der Rest des Wegs zu den Milchseen verläuft problemlos. Nachdem ich bisher seit dem Hochganghaus keinen Menschen mehr gesehen habe, begegne ich nun immer mehr anderen Leuten.

Für den weiteren Rückweg wähle ich eine etwas längere Strecke, die mich an Langsee, Grünsee, Mückensee, Kasersee und Pfitschersee, der Ruine der Meraner Hütte und der Oberkaseralm vorbeiführt. Beim kurzen Gegenanstieg zur Taufenscharte habe ich richtig Dampf. Von der Scharte geht es sehr steil hinab zur Leiteralm und schließlich zurück zum Oberplatzer.

Nina hat in Meran erst ausgeschlafen und nach einem Stadtbummel die wohl sehr schöne Terme besucht. Nun sammele ich sie auf und wir fahren heim nach München.

Oberplatzer - 1300 m - 08:38 Uhr
Hochganghaus - 1839 m - 09:35 Uhr
Hochgangscharte - 2430 m - 10:30 Uhr
Tschigat - 2998 m - 12:14 Uhr
Taufenscharte - 2230 m - 15:22 Uhr
Oberplatzer - 1300 m - 16:18 Uhr

Etwa 23 Kilometer und 1900 Höhenmeter.